Blog-Einführung

 

Hallo und herzlich willkommen zu diesem Beitrag, der zu gestalten mir kürzlich angeboten wurde, worüber ich mich sehr freue. Mein Name ist Barbara Koller, ich bin 38 Jahre alt und seit ungefähr 18 Jahren Stimmenhörerin. Für mich ist das Leben mit meinen Stimmen einerseits immer wieder Kampf und Herausforderung, aber es kann auch magisch und märchenhaft schön sein. Es ist für mich eine wiederkehrende Mischung aus Liebe und Hass, Idealisierung und Verachtung, Zu- und Abneigung, Verträumtheit und Desillusionierung.

 

Bei all dem Leidensdruck, den ich natürlich auch manchmal verspüre, ist es ebenso etwas Besonderes für mich. Es ist meiner Wahrnehmung nach eine außergewöhnliche Erfahrung, die sicher viele nicht haben wollen, die sehr viel Kraft und Energie kosten kann, aber auch Momente des Gleichklangs und der Verbundenheit bescheren kann. Denn wer kennt uns besser als unsere Stimmen? Auch wenn sie uns oft noch so unzutreffenden Unsinn einreden wollen.

 

Ich hoffe, dass dieser Blog eventuell einen Beitrag dazu leisten kann, dass das Stimmenhören nicht ständig mit einem fürchterlichen Schicksal assoziiert werden muss, sondern die Möglichkeit offenbart, Begabungen und Entwicklungen zu erkennen. Ich versuche auch immer noch die Kontrolle über die Stimmenwelt zu bekommen, es ist mir bislang nicht gelungen.

 

Was mir aber hilft sind kreative Ausdrucksformen, wie Schreiben, Malen, Gesang, Schauspiel, etc. Im Folgenden habe ich einen Text geschrieben, wie zum Beispiel das Schreiben meinen Weg positiv beeinflusst hat und mich meine Stimmen dabei beflügelt haben. 


Was Schreiben für mich bedeutet ...

 

Der kreative Selbstausdruck und Schreibprozess können sehr heilsam und hilfreich sein, auch beim Stimmenhören. Für Gefühle Worte zu finden, bewirkt bei mir, dass sich die Last der Ungewissheit, der Unbeholfenheit und des Unbewussten auflöst. Dinge, die zuvor nur eine formlose, unklare Angelegenheit, ein großes Fragezeichen waren, bekommen einen Namen und sind fassbarer.

 

Ich reflektiere mich, ich analysiere und höre auf meine innere Stimme, die ich mit einbeziehe. Es kann wie ein Rausch sein, Worte für etwas zu finden, das sonst in der Grube des Vergessens versickert, entglitten und verschwunden wäre. Es führt zu mehr Bewusstsein. Die Beziehung zu den Stimmen wird für mich durchsichtiger, wenn ich Briefe an sie adressiere.

 

Ob Gedanken oder Gefühle, fröhliche oder traurige, alles erstrahlt in einer Tiefe und Weite, die sie plötzlich auch für andere zugänglich machen. Manchmal gibt es keine adäquaten Worte für diese unendliche Tiefe und Weite der eigenen Emotionen oder für das Unglaubliche was man erlebt hat, zum Beispiel für die unauslotbare Intensität mit den Stimmen, man stößt an Grenzen und es bleibt ein Geheimnis im Inneren. Nichtsdestotrotz kann das Schreiben auch in diesem Zustand so viel bewirken. Es bringt mich in Berührung mit meinem eigenen Mut, es reinigt, befreit, fördert Loslassen, schenkt Geistesblitze und gestaltet Zeit. Ich schenke mir selbst Zeit, es ist ein Verdienst an meiner eigenen Psyche. Und es verbindet Menschen, da Diskussionen, Anregungen und Impulse entstehen, die inspirieren können.

 

Ich liebe es einfach, ein Endresultat in Händen zu halten, das ich freudig geschaffen habe, das Ausdruck meiner individuellen Einzigartigkeit ist. Denn Schreiben kann sicherlich jeder ausprobieren und dabei geht es nicht um die sprachliche Qualität, das literarische Niveau von Texten, um grandiose Wortschöpfungen, Rechtschreibung und Grammatik, sondern um die Liebe zu mir selbst, der ich Zeit und Raum widmen möchte. Denn nur wenn ich mich mit mir beschäftige, lebe ich bewusster, weiß, was meine Ansichten und Werte ausmachen. Zu mir finden, in mir ruhen, bei mir sein und mich glücklich in meiner Kreativität ausdrücken, sind Lohn und Ertrag einer schriftlichen Ausdrucksweise für mich.

 

Ich wünsche euch alles Liebe und vielleicht viel Freude am Schreiben.

 

Zum Abschluss habe ich noch ein Gedicht für euch, in dem es um die ambivalente Beziehung zu meinen Stimmen geht. Viel Spaß und alles Gute!


Innere Stimmen - Energiekurbeln und Ausbeuter

 

In einem Landteil  meines Bewusstseins
bewohnt und bewacht ihr meine Seele
jenseits von weltlichem Wirken und Schein
seid ihr aus mir sprechende Himmelsgestirngemälde.

 

Soll ich es als Zusage und Kompliment
empfinden, einordnen und betrachten
dass eure Neugierde und eure Aufmerksamkeit konsequent
und ausschließlich nach mir trachten?

 

Anteile in mir, die totgeglaubt sind
Worte in mir, die unbewusst totschweigen
innere Schmerzen, die totgehofft sind
die eure lebendigen Porträts an die Oberfläche treiben.

 

Ihr sendet unverhofft emotionale Signale
mein Bewusstsein missbraucht ihr als Bildschirm
im abendlich stattfindenden Finale
liefern sich der Prinz und der Hulk ein Duell im Gehirn.

 

Mein Druck auf mein Selbst
wie irrsinnig gut und wie wenig wütend ich sein soll
ist wie ein Stein, der sich vor mein Glück wälzt
den ihr akustisch vor meinen Tunnel rollt.

 

Ihr seid die Sprecher aktueller, verschlüsselter Nachrichten
ich bin euer Sprungbrett und Sprachrohr
euer intern verbalisierendes Mikrofon
ihr kämpft euch ringend aufs Podest mit Gruselgeschichten
wirbelt in mir als unreflektierter Gefühlstornado
und als auf der Überholspur rasender Gedankenmarathon.

 

Aus der niederträchtigst geschmacklosesten Kloake
sprintet ihr empor zu meinen Ohren
wie glitschig mich umschlingende Kraken
wollt ihr bezirzend in Unannehmlichkeiten bohren.

 

Worte wie Nadelstiche
mein Geist als Voodoo-Puppe
Worte wie Liebesspritzkerzenlichter
von mir aufgesaugt wie ein Glitzerfunkenkuss.

 

Ihr zehrt von meinem Leben
könnt nur existieren, wenn es mich gibt
ihr ernährt euch von meinen Schuldgefühlen hingegen
von meiner Zerrissenheit, die ihr offen legt.

 

Ihr seid das Wundergift in meinen Adern
ihr seid das Doping, das mich high macht
dem seelischen Herzstillstand bin ich oft nahe
dennoch habt ihr mich auch zu Höchstleistungen angestachelt.

 

Was soll ich euch oder mir selbst beweisen?

 

Wie soll ich mich unzermahlen bewähren?

 

Was immer ich tue, würdet ihr jemals weichen?

 

Und will ich jemals mir gehören?

 

Würden Leere und Einsamkeit mich begleiten?

 

Oder würde ich mich in Liebe ganz zu mir selbst bekehren?

 

 

 

Bis bald und herzliche Grüße,

 

Barbara Koller